Die Herausforderung als Chance nutzen – ein Sack extra für COVID-19-Abfälle

Mai 2020

Guten Tag Herr Eichler,

Sie sind Geschäftsführer des Abfallsäckeherstellers Deiss, eine Marke der Sund Holding in Hamburg. Wie viele dieser Tage haben Sie sicher ordentlich zu tun und kämpfen an mehreren Fronten zugleich. Es freut mich daher umso mehr, dass das Interview per Videokonferenz zustande gekommen ist. 

Wo erwische ich Sie gerade, wenn ich das fragen darf, Herr Eichler?

Guten Tag Frau Schwind, auch ich bedanke mich sehr für das virtuelle Treffen. Ich sitze gerade in meinen Home-Office im Hamburger Stadtteil Othmarschen.

Herr Eichler, seit wann sind Sie schon für Deiss tätig?

Ich arbeite seit Anfang 2018 für die Sund Holding. Zuvor war ich für den österreichischen Semperit-Konzerntätig und lebte mit meiner Familie, also mit meiner Frau und unseren beiden Töchtern, vier Jahre in Singapur. Dort leitete ich den Bereich für medizinische Handschuhe Sempermed. 2017 kamen wir dann nach Europa zurück und vor zwei Jahren ging es in den Norden zu Deiss.

Im Zuge der Coronapandemie hat ihr Unternehmen einen Müllsack für die Sammlung und Entsorgung infektiöser Abfälle, wie kontaminierte Handschuhe, Mundschutz und andere Schutzbekleidung, entwickelt. Wie kam es dazu? 

Eigentlich begann alles mit der neuen Allgemeinverfügung der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung, kurz BAM genannt, die am 18. März 2020 gültig wurde. Angesichts der schnellen Verbreitung von COVID-19 wurden darin neue Anforderungen für medizinische Abfälle festgelegt. Dem wollten wir natürlich sofort nachkommen, um die Sicherheit der Entsorgungsmitarbeiter und Reinigungskräfte in Kliniken oder Pflegeeinrichtungen zu gewährleisten.

Lagen hierfür schon Pläne in der Schublade oder wie konnte die Herstellung so schnell umgesetzt werden? 

Na ja, wir hatten zuvor bereits einen Abfallsack mit sehr hohen technischen Werten entwickelt. Darauf haben wir aufgebaut und den Beutel den neuen BAM-Kriterien angepasst. Wir sind sogar noch einen Schritt weiter gegangen. Sie müssen wissen, dass eine Anforderung für COVID-19-Abfallsäcke die Dicke ist. Diese liegt bei 0,2 Millimetern. Das macht den Sack aber häufig sperrig und die Anwendung somit mühsam. Wir konnten jetzt einen Sack herstellen, der die gleichen Schutzkriterien erfüllt, aber über die Hälfte dünner ist. Somit ist die Benutzung wesentlich praktikabler und handelbarer.

Wie lange hat es ungefähr gedauert von der Entwicklung bis zur Herstellung?

Im Grunde nur wenige Tage. Am 18. März 2020 kam die neue Verordnung heraus, und noch vor Ostern lieferten wir die erste Palette ab.

Das war aber wirklich flott.

Ja, und das lag vor allem daran, dass wir aufgrund eines anderen Gefahrengutsackes schon im engen Kontakt mit den entscheidenden Prüfstellen standen. Denn was vor allem langwierig ist, sind Prüfung und Zertifizierung derart spezialisierter Produkte. Die Standards hier sind extrem hoch. Die Dringlichkeit lag aber auf der Hand, weshalb die Zusammenarbeit mit den Behörden zügig und reibungslos verlief. Das war Corona-Aktivismus im positivsten Sinne. 

Wie geht die Firma mit Corona um? Welche Sicherheitsmaßnahmen wurden ergriffen?

Sehr viele Prozesse laufen in der Produktion automatisiert ab. Da, wo Menschen im Einsatz sind, arbeiten wir im Schichtbetrieb. Das heißt, die Kollegen kommen zeitversetzt und beginnen gestaffelt, damit Sicherheitsabstände und andere Maßnahmen eingehalten werden können. Außerdem haben wir Cluster aus kleinen Mitarbeitergruppen gebildet. Wird eine Person aus dem Cluster krank und die gesamte Einheit muss in Quarantäne, übernimmt ein anderer Cluster. Bei dem speziellen COVID-19-Sack kommt allerdings hinzu, dass das Produkt alle vier Stunden überprüft werden müssen. Und auch die Dokumentation wird regelmäßig begutachtet. 

Aus welchem Bereich kommen die meisten Abnehmer?

Bei uns läuft der Verkauf über ein B2B-Modell. Wir liefern an Fachgroßhändler. Deren Abnehmer des COVID-Sackes kommen vor allem aus dem Hygienebereich und Gesundheitswesen.

Gibt es etwas, was Sie unseren Leserinnen und Lesern in dieser besonderen, manchmal auch schwierigen Zeit mit auf den Weg geben möchten?

Vielleicht der Gedanke, dass Herausforderungen auch eine Chance in sich bergen. Wir alle befinden uns in einer Ausnahmesituation und sollten uns fragen, welche Themen jetzt für mein Geschäft wichtig sind. Was wird gebraucht und wie kann ich helfen? Welchen Weg kann ich finden, diese Krise zu überstehen? Dabei bleibt der Blick auf den Kunden ganz wichtig. Gerade in diesen Zeiten sollte die Kundennähe, vielleicht auf alternativen Wegen, besonders gesucht und weiter ausgebaut werden. 

Download: Die Herausforderung als Chance nutzen

Interview mit Herrn Clemens Eichler, Geschäftsführer Deiss, geführt von Nielke Schwind-Hellwig, Chefredakteurin Saubere Sache Heute

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