Fachfrau für alles – Praxismanagement in Zeiten von Corona

23. Juni 2020

Guten Tag Frau Feldmann!

Sie sind Praxismanagerin bei der kieferorthopädischen Praxis Dr. Gomolka in Stuttgart Zuffenhausen. Es freut mich sehr, dass Sie es geschafft haben, in diesen herausfordernden Zeiten mit mir zu sprechen. 

Gerne, Frau Schwind, im Moment bin ich eigentlich wieder recht entspannt. Unsere Praxis ist schon seit einiger Zeit voll und ganz auf die Coronapandemie eingestellt und nun läuft alles rund.

Das freut mich zu hören! Bevor wir auf die konkreten Maßnahmen im Zuge der Coronakrise eingehen, was genau ist Ihre Aufgabe?

Offiziell lautet meine Berufsbezeichnung Praxismanagerin. Somit bin ich unter anderem für das Qualitätsmanagement zuständig, dem auch das Hygienemanagement unterstellt ist. Das besteht aus unseren Hygienemanagerinnen, den ausführenden Helferinnen und dem Reinigungspersonal. Darüber hinaus bezeichne ich mich selbst gerne als Fachfrau für Alles, denn auch im Bereich Personal, Rechnungswesen und Buchhaltung habe ich meine Finger im Spiel.

Welche Neuerungen mussten Sie aufgrund der Coronakrise einrichten?

Unsere Hygienestandards als kieferorthopädische Praxis sind ohnehin sehr hoch. Bei der Aufbereitung von Instrumenten haben wir die Hygienemaßnahmen zum Schutz von Helferin und Patienten nochmals verstärkt und unser Personal grundlegend auf die Anforderungen des COVID 19 geschult. 

Der gesamte Ablauf, angefangen bei der Patientenbegrüßung bis hin zur Grundreinigung, musste vollständig neu ausgearbeitet werden. Eine Plexiglasscheibe für die Rezeption musste organisiert und installiert werden. Die Patienten werden vor Betreten der Behandlungsräume in den Sanitärbereich zum Händewaschen und -desinfizieren gebeten. Unsere Helferinnen am Empfang müssen jede Stunde alle Klinken, Griffe und andere häufig angefassten Gegenstände desinfizieren und dies auch dokumentieren. Außerdem dürfen nur kleinere Kinder die Praxisräume mit einer Begleitperson betreten. Alle anderen Begleitpersonen müssen wir bitten sich außerhalb des Gebäudes aufzuhalten. Das Praxisteam trägt einen Mund-Nasen- sowie Gesichtsschutz. Auch die Wegführung für Mitarbeiter und Patienten ist so ausgetüftelt worden, dass sich keiner unnötig begegnet. 

Musste auch die Grundreinigung angepasst werden?

Allerdings. Es ist zwar so, dass Reinigungskräfte grundsätzliche nur die Böden in den Behandlungsräumen mit Bodendesinfektion reinigen dürfen. Die Oberflächen müssen vom Fachpersonal übernommen werden. In Coronazeiten sind wir verpflichtet, sämtliche Böden, nicht nur die der Behandlungszimmer, zusätzlich zu desinfizieren. Dafür musste ein komplett neuer Plan ausgearbeitet werden, auch im Hinblick auf die Mittel der Bodendesinfektion. Beispielsweise haben Küche, Flur und Wartezimmer Steinböden. Hier kann man nicht mit scharfen Produkten herangehen, ohne den Belag zu schädigen.

Ich kenne mich da aus, da ich 2008 in der Praxis als Reinigungskraft angefangen habe. Seit 2012 habe ich dann in meinem erlernten Beruf als kieferorthopädische Fachhelferin die Praxis in der Rezeption unterstützen können und vor vier Jahren habe ich dann die Weiterbildung zur Praxismanagerin erfolgreich abgeschlossen und arbeite seitdem im Praxismanagement.

Sie sagten, dass Sie auch für die Hygienemanagerinnen und Hygienemager in der Praxis zuständig sind. Wie wird man das?

Ich bleibe jetzt mal in der weiblichen Form, denn wir haben nur Frauen in dieser Position. Ich nenne sie immer liebevoll meine Hygienedamen. 

Das hört sich nach einem sehr netten, kollegialen Verhältnis an.

Zum Beispiel musste man wegen Corona auf 100% Viruzide Desinfektionstücher umsteigen. Die meisten davon sind mit Alkohol und greifen die Oberflächen und Materialien unserer Einrichtung an. Unsere Hygienedamen hatten nun den Auftrag, vernünftige Einmaldesinfektionstücher ausfindig zu machen, die zum einen wirkungsvoll sind und zum anderen das Mobiliar nicht zu stark angreifen. Das Hygieneteam bestellte also Muster und testete. Am Ende stellten die Damen ihre Ergebnisse dem Chef vor, der dann den Einkauf genehmigte.

Und wenn gerade nicht Corona ist?

Dann müssen unsere Hygienemanagerinnen auf die sorgfältige Arbeit ihrer Kollegen und Kolleginnen achten und darauf hinweisen, wenn Hygienestandards noch nicht perfekt eingehalten werden. Treten Fehler im Hygienekreislauf auf, müssen Sie das Personal schulen und die Arbeitsanweisung neu definieren und anpassen.

Ihr Hygieneteam berichtet dann wiederum an Sie?

Exakt, in regelmäßigen Abständen kommen wir zusammen. Überprüfen, ob alle Maßnahmen funktionieren und sinnvoll sind. Wenn nicht, sprechen wir über Änderungen, und bestimmen wer welche Anpassung oder Änderung bis zu welchem Termin umsetzt.

Haben Sie vielleicht noch ein paar Tipps für unsere Leser?

Vielleicht keine Tipps, aber ich wünsche anderen Praxen und ihren Teams gutes Durchhalten. Die Situation ist nicht immer einfach und leider gibt es immer wieder Patienten, die sich durch die Corona-Maßnahmen in den Praxen gegängelt fühlen. Manche werden dann unfreundlich. Hier heißt es, Haltung bewahren, zuhören und freundlich aber bestimmt auf die Coronaregeln hinweisen. Denn alle anderen sind uns sehr dankbar für die zusätzliche Sicherheit.

Download: Fachfrau für alles – Praxismanagerin in Zeiten von Corona

Interview mit Frau Susanne Feldmann, Praxismanagerin in Stuttgart Zuffenhausen, geführt von Nielke Schwind-Hellwig, Chefredakteurin Saubere Sache Heute

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